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Blick auf die Johannstadt vom Waldschlösschen aus

Blick auf die Johannstadt vom Waldschlösschen aus

Postkarte 40 Jahre WGJ (1997)

Postkarte 40 Jahre WGJ (1997)

Blick aufs Johannstädter Elbufer

Blick aufs Johannstädter Elbufer

Johannstädter Elbufer 1893

Johannstädter Elbufer 1893

Johannstädter Ufer 1915

Johannstädter Ufer 1915

Käthe-Kollwitz-Ufer 1946

Käthe-Kollwitz-Ufer 1946

König Johann

König Johann

Gewerbeschule

Gewerbeschule

"Güldene Aue" 1899

Antons, historische Postkarte

Antons, historische Postkarte

Eis-Krause

Eis-Krause

Weltfestspiele 1973

Weltfestspiele 1973

Postkarte Jägerkaserne

Postkarte Jägerkaserne

Bürgerheim Pfotenhauerstraße (oben), Fetscherstraße (unten)

Bürgerheim Pfotenhauerstraße (oben), Fetscherstraße (unten)

Luftaufnahme Feldherrenplatz (oben links)/Pfotenhauerstraße 1930er Jahre

Luftaufnahme Feldherrenplatz (oben links)/Pfotenhauerstraße 1930er Jahre

Johannstädter Ufer

Johannstädter Ufer

Bönischplatz, Luftaufnahme

Bönischplatz, Luftaufnahme


Die Geschichte der Johannstadt

Im Mittelalter dehnten sich Wiesen und Felder von der Elbe aus bis zur Bürgerwiese und dem späteren Großen Garten sowie zu den Fluren von Striesen und Blasewitz. Sie gehörten anfangs größtenteils dem Augustinerkloster in Altendresden (Dresden-Neustadt) und dem bereits vor 1287 gegründeten Maternihospital. Nach Aufhebung der Klöster im Jahre 1539 durch Herzog Heinrich den Frommen gelangten die Flurstücke des Augustinerklosters in den Besitz des Landesherrn, der die Wiesen an der Elbe dem Stallamt übertrug. Zwischen Elbe und Tatzberg lag die Brückenwiese, sie gehörte bis 1852 dem Brückenamt.

Der Umfang des Gebietes der Johannstadt entspricht ungefähr, vor allem im westlichen Teil, der alten Flur Ranvoltitz. Dieser Name, der in der Rampischen Straße fortlebt, ist auf einen deutschen Kolonisten Ramfold zurückzuführen. Ramfold gilt als Gründer eines zu Beginn des 14. Jahrhundert angelegten, 1310 urkundlich erwähnten Dörfchens Ranvoltitz oder Ramaltitz, das wahrscheinlich bereits im 15. Jahrhundert verschwand, aber vielleicht auch mit der sich ausbreitenden Fischervorstadt verschmolz. Die Bewohner der Siedlung lebten von Elbfischerei und vom Ackerbau sowie vom Abbau des Lehmvorkommens. Letztmalig wird Ranvoltitz 1316 urkundlich erwähnt.

Archäologische Funde

Bis zum 19. Jahrhundert war das Gebiet der heutigen Johannstadt nur schwach besiedelt. Eine Siedlung aus früheren Jahrhunderten konnte nicht nachgewiesen werden, aber es gibt einige Grab- und Einzelfunde:

  • Jüngere Steinzeit (5000–2300 v. Chr.): Steinbeile (Johannstädter Ufer), ein Schuhleistenkeil (Canalettostraße 5 oder 7)
  • Ältere Bronzezeit (1700–1400 v. Chr.): eine kleine Terrine und zwei Spindelnadeln (Fiedlerstraße, ehemals Fiedlerplatz). Beim Erweiterungsbau des Krankenhauses wurden 1927 mehrere Funde ans Tageslicht gebracht. Eine bronzene Absatzaxt, die 1875 in der Sandgrube am Tatzberg gehoben wurde, weist auf die ältere Bronzezeit hin.
  • Mittlere Bronzezeit (1400–1200 v.Chr.): Dazu gehört der am 7. Dezember 1877 am Tatzberg gehobene sogenannte Gießereifund. Er enthielt zwei verzierte Armringe, ein Gusskuchenstück, zwei Bruchstücke eines verzierten Halsringes, acht Bruchstücke von Äxten und das Bruchstück eines sogenannten Griffzungenschwerts. Dieser Zeit sind wahrscheinlich auch die zahlreichen Urnenfunde und Gefäßreste vom Tatzberg und der Vogelwiese zuzurechnen.
  • jüngere vorrömische Eisenzeit (300–100 n Chr.): Kleinere Gefäße, meist Schalen, ein Bronzespiralring, Trümmer eines hohlen Ringes aus Bronzeblech mit Tonkern und Nieten, Reste zweier eiserner Nadeln, eine Fibel und ein Gürtelhaken. Im Jahr 1880 wurden auf der Pfotenhauerstraße mehrere Urnen gefunden.
  • späte römische Kaiserzeit (200–400 n.Chr.): 1850 wurden in der Sandgrube am Tatzberg zwei Bronzemünzen aus der Zeit des römischen Handelsverkehrs gefunden.

Grüne Idylle und Ausflugsziel für die Städter

Im östlichen Teil unseres Johannstädter Gebietes, etwa von der jetzigen Hertelstraße bis Mitte Trinitatisfriedhof, begann das Blasewitzer Tännicht, das 1520 erwähnt wurde und sich bis Tolkewitz erstreckte. Es war ein Fichten- und Kiefernwald, der vermutlich einen reichen Hasen- und Rebhuhnbestand aufwies. Die Blumenstraße wurde auf alten Urkunden als Jagd- und Fürstenweg bezeichnet. Auf der Oederschen Karte sind die Waldstücke mit „Unterm Hasengehege“, „An der Brembacher Au“, „Am Hausholtz“, „Am Quellenberg“, „Am Schalbenkopf“ und „Am Faselberg“ bezeichnet. 1813 wurde auf dem westlichen Teil des Tännichts, das bereits 1651 „Jung-Tännicht“ genannt wurde, der spätere Fiedlerplatz angelegt.

In der Nähe der damaligen Vogelwiese, zwischen der Neubert-, Pfotenhauer- und Hertelstraße, lag das 1640 erbaute „Forwerg Tatzberg“, seit 1742 das „Lämmchen“ genannt. Das „Lämmchen“ besaß seit 1644 Brau-, Gast- und Schankrechte.

Um 1800 dienten die Grundstücke „Hopfgartens“, das „Lämmchen“, „Stückgießers“, „Engelharts“ und „Antons“, die sich auf dem Gebiet der heutigen Johannstadt erstreckten, mit ihrer ländlichen Idylle den Anwohnern Dresdens als Ausflugsziele. An Sonntagen machten sich die Dresdner auf den Weg aus den engen Gassen in die Flusslandschaft. Der Lämmchenweg (heute Blumenstraße) war sehr beliebt.

In der Mitte des 18. Jahrhunderts war diese Gegend ein einziger prächtiger Blumengarten (Blumenstraße). Der Kunst- und Handelsgärtner Lüdicke legte hier 1859 einen vielbesuchten Wintergarten (Wintergartenstraße) an, der bis 1878 bestand, als botanische Sehenswürdigkeit galt und besonders reich an Kamelien war (Kamelienstraße, heute nicht mehr existent). Später entstand auf dem Lüdickeschen Wintergarten der Skating Rink, ein zementierter achteckiger Platz, der im Sommer als Rollschuhbahn und im Winter als Eisbahn benutzt wurde.

Das einst zwischen mächtigen mistelbewachsenen Balsampappeln am Elbufer unterhalb der Hertelstraße gegenüber dem Waldschlösschen stehende spätbarocke Schlösschen Antons gehörte zu den Wahrzeichen der Elbaue. In der Nähe schuf die Stadt im Jahr 1922 ein Elbefreibad. Von diesen Anlagen blieb nichts erhalten.

Eine traditionsreichsten Veranstaltungen in Dresden ist die Vogelwiese. Sie ging aus dem Pfingstschießen der Bogenschützen hervor, namensgebend war das dort praktizierte Vogelschießen. Erstmalig erwähnt wurde dieses Fest im Jahre 1401.

Ab 1788 wurden die Dresdner Garnisonstruppen zu Fuß und zu Pferde auf dem Exerzierplatz vor dem Ziegelschlag ausgebildet. Laute Kommandos schallten bis über die Elbe. Bis zur Erschöpfung wurden die jungen Männer von den Offizieren und Unteroffizieren getrieben.

Dresden breitet sich allmählich nach Osten aus

Für die Stadtentwicklung war das Jahr 1814 sehr wichtig, denn da begann man mit der Abtragung der Stadtbefestigung. Damit wurde die äußere Pirnaische Vorstand organischer mit der Residenz verknüpft. Sie entwickelte sich zu einem großen Wohngebiet und dehnte sich in östlicher Richtung aus. Langsam erweiterte sich die Stadt Dresden.

Ebenfalls im Jahr 1814 begann man mit der Anlage eines neuen Friedhofs außerhalb der Stadt. Er wurde „der weite Friedhof“ genannt. 1815 übernahm die Planung des „Weiten Friedhofs“ der Hofbaumeister Gottlob Thormeyer. Am 1. Mai 1815 fand die erste Beisetzung auf dem „Weiten Friedhof“ statt. Im Jahr 1834 erhielt das Friedhofsareal den Namen „Trinitatisfriedhof“.

Die erste, noch ungeplante, Ansiedlung von Produktionsstätten begann Anfang des 19. Jahrhunderts. Die Stadt reagierte und erließ 1826 ein Bauverbot für das Gebiet zwischen Elbe und Großem Garten. Eine Ausnahme bildete der Bereich Blumenstraße, wo gewerbliche Anlagen angesiedelt wurden. Dies sei nötig, so wurde formuliert, „um die Zierde der Umgebung anzusehende Freiheit des Terrains zwischen Großen Garten und der Stadt zu erhalten. Das führte dazu, dass das Gebiet zwischen dem Großen Garten und dem damaligen Blasewitzer Weg nur spärlich und spät besiedelt wurde. Erschwert wurde die Bebauung noch durch die schlechte Verkehrsanbindung zum Dresdner Stadtkern, denn die Grunaer Straße bestand zum damaligen Zeitpunkt noch nicht. So erhielt sich ein offenes Land mit einigen wenigen Vorwerken und Gärtnereien am Rande der Stadt. Als 1872 die erste Pferdestraßenbahn nach Blasewitz eröffnet wurde, standen nur am Anfang der Gerokstraße und in der Nähe des Königsheimplatzes einige Häuser.

Eine neue „Allgemeine Bauordnung“ wurde 1827 erlassen. Sie löste die Bestimmungen von 1720/32 ab. In ihr heißt es: „Niemand darf der öffentlichen Sicherheit, Wohlfahrt und Zierde hiesiger Stadt zum Nachteil bauen.“

1831 war das Gebiet der späteren Johannstadt noch sehr schwach besiedelt, man zählte 402 Einwohner. Das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 1,03 Einwohner je Hektar oder 0,0103 je Quadratkilometer.

1836 fand auf dem Gelände der alten Vogelwiese die Kiellegung der beiden ersten Personendampfschiffe der Oberelbe statt. Ihre Konstruktion wurde vom Andreas Schubert übernommen. Die eisernen Schiffschalen der auf der Elbewiese auf Kiel gelegten Personenschiffe wogen 300 Zentner und waren 36,10 Meter lang. Mitte April 1837 konnten sie zu Wasser gelassen werden, um nach Übigau zu treiben, wo der Innenaufbau vonstatten ging. Dieser wurde mit viel künstlerischer und handwerklicher Sorgfalt vorgenommen, so dass dieses erste Schiff, die „Königin Maria“, im Volksmund „Porzellanschiff“ genannt wurde. Die erste Fahrt fand am 30. Juli 1837 nach Meißen statt.

Außerhalb des Stadtkerns der Residenzstadt wurde der fruchtbare Lößboden von Bauern und Gärtnern genutzt. Auch das verhältnismäßig milde Klima in der Elbniederung versprach gute Erträge. Bereits auf einem Stich von Hobenberg „Dresden und Altendresden vom linken Elbufer aus gesehen“ aus dem Jahr 1572 erkennt man, dass im Osten Dresdens, also der äußeren Pirnaischen Vorstadt, in Elbufernähe Gartenanlagen bestanden. Auch die Gärtnerfamilie Seidel verlegte 1837 ihre Anzuchtbeete und Gewächshäuser in diese fruchtbare Gegend. Die Seidels wurden durch ihre Zucht von Azaleen, Kamelien und Rhododendren berühmt. Ihr Grundstück erwarben sie in der Nähe des Tatzberges, angrenzend an das Anwesen „Hopfgarten“.

Am 31. Oktober 1839 bot der Dresdner Mechanikus und Optikus Friedrich Wilhelm Enzmann in einer „Verkaufs-Anbietung“ des Dresdner Anzeigers eigene Kameras und Foto-Platten zum Verkauf an. Dieses Datum ist die Geburtsstunde des Kamerabaus in Dresden. Im Stadtteil Johannstadt produzierten beispielsweise Altissa, die Filmtechnische Anstalt W. Schmidt, Franz Kochmann – Fabrik photographischer Apparate und die Ihagee Kamerawerke.

Beginnender Ausbau der Verkehrswege

Nach 1846 begann man mit der Weiterführung des ins Stocken geratenen Ausbaus des Environ-Weges bis zum Eliasfriedhof. Die jetzige Güntzstraße ist ein Teil dieses ehemaligen Wegs, er wurde verbreitert und befestigt. Der Weg wurde auf Grund eines königlichen Befehls von der Elbe im großen Bogen um die Stadt, die einzelnen Schläge verbindend, wieder bis zur Elbe angelegt. Nach dem vollständigen Ausbau sind es, beginnend östlich der Elbe, die Sachsenallee, die Güntzstraße, die Lennéstraße, die Wiener Straße, die Ammonstraße und die Könneritzstraße. Dieser Verkehrsweg wurde durch die Straßenbahnlinie 26 genutzt und heißt deshalb bei den Dresdnern der „Sechsundzwanziger Ring“.

Der Bedarf an öffentlichen Verkehrsmitteln wuchs stetig, denn die Stadt vergrößerte sich um die Mitte des 19. Jahrhunderts außergewöhnlich schnell. 1847 wurde ein Straßenverzeichnis von Dresden veröffentlich, in dem 250 Straßen und Plätze namentlich aufgeführt waren. Während im Jahr 1815 55.321 Einwohner gezählt wurden, waren es 1852 bereits 104.195 und 1871 177.040 Personen. So erhöhte sich die Zahl derjenigen Personen, die aus verschiedenen Gründen eine Fahrgelegenheit nutzen wollten. Natürlich war es zu damaliger Zeit durchaus üblich, größere Strecken zu Fuß zurückzulegen, aber das Bedürfnis der Bevölkerung, ein öffentliches Verkehrsmittel nutzen zu können, stieg von Jahr zu Jahr. 1847 verkehrte eine Linie der Pferdeomnibuslinie über die Pillnitzer Straße bis Blasewitz. Dieser Pferdeomnibuslinie folgten in den weiteren Jahren 13 Linien.

Für 1851 war der Durchbruch der späteren Grunaer Straße geplant, der eine verkehrsmäßig bessere Verbindung zwischen der Stadt und den östlichen Siedlungsgebieten bringen sollte. Im Landeshauptarchiv liegt eine Akte unter der Registratur MdI 11460, verfasst am 16. August 1851, dazu vor. Der Durchbruch konnte erst 27 Jahre später durchgeführt werden.

Industriegebiet Johannstadt

1853 erklärte die Oberbaubehörde das Gebiet der heutigen Johannstadt-Nord zum Fabrikbezirk. Die Errichtung von dampfgetriebenen Aggregaten, Schornsteinen und geräuschvollen Produktionen wurden erlaubt. Der Rat favorisierte jedoch auf Grund der zentralen Lage einen neuen Wohnbezirk, weswegen keine neuen Baukonzessionen mehr für gewerbliche Unternehmen erteilt wurden.

1858 wurde der Bebauungsplan für die äußere Pirnaische Vorstadt von 1826 überarbeitet, insbesondere wurde eine Erweiterung bis zum Großen Garten östlich der Güntzstraße festgelegt. Dieser Bebauungsplan war zum Zweck der Errichtung eines Wohnbezirks, der Grundstückparzellierung und deren Verkauf erarbeitet worden. Nachzulesen im Stadtarchiv Dresden unter „Die Entwerfung und Feststellung des Bebauungsplanes für die vor dem Ziegelschlage gelegenen Feldgrundstücke“ (Akte A XXIII 196).

Die Unternehmen ihrerseits strebten eine Nutzung des Elbuferbereiches für die Errichtung von Lagerplätzen, Arbeitsstätten und zur Energiegewinnung an. So entstanden um 1859 in der äußeren Pirnaischen Vorstadt auf einem verhältnismäßig kleinen Bezirk um die Blumenstraße mehrere Fabriken.

Am 15. Oktober 1861 wurde eine neue Gewerbeordnung erlassen, die ohne Beschränkung die Wahl des Ortes erlaubte, an dem ein Gewerbe ausgeübt werden konnte. Dieses Gesetz signalisierte die Gewerbefreiheit.

Mit der Ausdehnung der Chemischen Fabrik E.T. Gleitsmann, der Dresdner Nähmaschinenzwirnfabrik auf der Blumenstraße sowie weiteren kleinen Handwerksniederlassungen verfestigte sich der industrielle Charakter dieses Gebietes. Es kam zu einer fast willkürlichen Streuung verschiedener Produktionszweige. Die in Johannstadt ansässigen Gärtnereien Lüdickes Wintergarten und Liebigs Gärtnerei wurden nach Osten Richtung Striesen verdrängt, wo es noch freie Flächen gab.

1861 begann am Sachsenplatz und der Sachsenallee eine Umwandlung der offenen in eine geschlossene Bebauung. Den Anlass dieser Veränderung der Wohnhäuser bot eine städtebauliche Entscheidung. Die konzentrierte Bebauung wurde gewünscht, weil eine Brücke vom Sachsenplatz über die Elbe geplant war. Schon Jahre, bevor der Brückenbau begann, schnellten die Bodenpreise in die Höhe. Das Gebiet, wo später der Altstädter Brückenkopf errichtet wurde, fiel nicht unter das Bauverbot. Am 4. Dezember 1864 wurden etwa 170 ha für offene und in Teilgebieten für geschlossene Bebauung freigegeben. Ein Regulativ legte in dem später Johannstadt-Nord genannten Gebiet zweigeschossige Häuser in offener Bauweise fest. Es entstanden etwa zwölf Gebäude auf den vor dem Ziegelschlag gelegenen Feldgrundstücken. In der Folge entwickelte sich die Blumenstraße zu einem der drei Hauptgewerbegebiete Dresdens neben denen an der Leipziger und Freiberger Straße.

Im gleichen Jahr gründete Karl Wilhelm Clauß die Handwerkerschule des Dresdner Gewerbevereins (Gewerbeschule). Clauß erkannte schon vor rund einhundertfünfzig Jahren, dass die Weiterbildung junger Handwerker nötig war, es fehlten aber bis 1861 die entsprechenden Möglichkeiten.

1862 gründete Joseph Michael von Hoppmann-Vlbella die Compagnie Laferne als eine der ersten deutschen Zigarettenfabriken in Dresden. Es war der Beginn eines Herstellungszweiges in Dresden, der die Gründung vieler Zigarettenfabriken nach sich zog. Einige siedelten sich in Johannstadt an, etwa die Zigarettenfabrik Kosmos, die Jasmatzi AG oder die Delta Cigarettenfabrik.

1869 wurden erste Pläne für eine Elbuferkorrektur erörtert. Diese sollte die industrielle Nutzung des Uferraumes ausschließen. Wie ein großer Kreis von Fachleuten entschied, sollten beiderseits der Elbe von Blasewitz linkselbisch elbabwärts und in kleinerem Rahmen rechtselbisch etwa vom Waldschlösschen Hochuferstraßen zur Regulierung des Flusses angelegt werden. Der Plan wurde später verwirklicht, allerdings mit dem Kompromiss, dass die linkselbische Hochuferstraße vom Ufer abgerückt errichtet wurde, damit konnte gleichzeitig die Natürlichkeit der Elbaue gesichert werden.

Der lebhafte Aufschwung nach dem Krieg 1870/71 regte die Bautätigkeit an, auch Dresden suchte sich auszubreiten. Das bestehende Bauverbot machte aber gerade im Osten der Stadt jeden städtebaulichen Fortschritt unmöglich. Die Eigentümer der an sich baureifen Ländereien wünschten ihr Besitztum bald als Bauland zu verkaufen. Man wandte sich schließlich an den Landtag und legte Gutachten namhafter sächsischer und auswärtiger Sachverständiger vor, die sich für die Aufhebung des Bauverbotes aussprachen.

Am 19. März 1872 erfolgte am Güntzplatz der erste Spatenstich zum Bau der Pferdeeisenbahn, die am 26. September 1872 den Linienverkehr aufnahm, zunächst nur auf der Strecke von Blasewitz zum Pirnaischen Platz.

Am 3. Oktober 1872 erwarben der Modeakademiedirektor G.A. Müller, der Architekt Hübner, der Schneidermeister Gunkel, der Amtsarzt L. Lenekart und die Bankiers Phlip Elimeyer, Otto Kaufmann, Eduard Apel, Eugen Gutmann sowie der Bankdirektor Blumenthal nahezu die gesamte weiträumige Landfläche zwischen Großem Garten und Blasewitzer Straße. Sie verkauften die Felder an die von ihnen am 14. Oktober 1872 gegründete „Centralbank für Landerwerb und Bauten“. So machten sie in wenigen Tagen einen Gewinn von 1,24 Millionen Talern.

1873 wurde für das Gelände zwischen Elbe und Großem Garten ein umfassender Bebauungsplan aufgestellt, dem 1874 ein Regulativ folgte. Der Plan war zunächst Ausdruck des Bestrebens des Rates, der Pirnaische Vorstadt nach Osten ein repräsentativ gestaltetes Wohngebiet anschließen zu lassen. Gleichzeitig wurde nunmehr dem Drängen von Bauspekulanten und Bauunternehmern nach geschlossenen Bauquartieren und damit höheren Gewinnen nachgegeben.

Nach Aufhebung des Bauverbots 1874 und durch die nun verkehrende Pferdeeisenbahn schritt die Bebauung und die Anzahl der Bevölkerung stetig voran. 1876 wurde die Johannstadt als reiner Wohnbezirk ausgewiesen. Damit mussten die hier angesiedelten Gärtnereien das Gebiet dem Wohnungsneubau überlassen. Sie zogen weiter nach Osten, also größtenteils in die Flur Striesen, wo noch freie Flächen zur Verfügung standen.

Nach der Anlage der Grunaer Straße trieb die Bodenspekulation die Preise für Bauland bis auf 120 Mark pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Im Jahr 1872 zahlte die „Centralbank für Landerwerb und Bauten“ acht Mark pro Quadratmeter.

Für die Erschließung des Neubaugebietes stellte der Landgraben ein großes Problem dar. Darum entschloss man sich, diesem eine neue Mündung in die Elbe zu schaffen. An der Sporstraße in Blasewitz begannen dazu 1875 die Arbeiten. Der Graben, der etwa entlang der jetzigen Holbeinstraße verlief, wurde zugeschüttet.

Neben der Errichtung von Straßen war schon seit 1872 an eine Brücke gedacht, die später vom Sachsenplatz nach dem damaligen Kurfürstenplatz, dem heutigen Rosa-Luxemburg-Platz, in der äußeren Neustadt geplant wurde. Nachdem alle Formalitäten erfüllt waren, wurde am 14. Juni 1875 mit dem Bau begonnen. Der Grundstein wurde am 23. September feierlich gelegt. Die Brücke erhielt den Namen „Albertbrücke“ nach dem regierenden König. In Folge des Baus der Albertbrücke (1875–1877) entstand eine repräsentative Wohnhausbebauung um den Sachsenplatz, an der Sachsenallee und am Terrassenufer.

Im Jahr 1875 wurde die lange geplante und heiß diskutierte Hochuferlinie festgelegt. Damit wurde die Gefahr, dass es zu Überbauungen der Elbwiesen kommen könnte, endgültig gebannt.

Zeitgleich mit der Ausrufung zum reinen Wohngebiet beschloss der Dresdner Rat 1876 auf Drängen der Industrie die Einrichtung eines Industriegebietes zwischen Tatzberg und der Blumenstraße. Mit der Anlage der Pfotenhauerstraße sollte die Entwicklung der ansässigen Betriebe jedoch etwas gebremst werden. Ihre Ausbaumöglichkeiten wurden eingeschränkt. Der Rat gewährte den Bauunternehmern freie Hand zur Schaffung von Wohnhäusern, um Tatsachen zu schaffen. Die Pfotenhauerstraße, vom Eliasplatz bis zum ehemaligen Tännicht reichend, erhielt städtebaulichen Vorrang vor der Blumenstraße. Sie sollte mehrgeschossig in geschlossenen Blöcken bebaut und gewerblich unterlegt werden. Die Realisierung kam nur schleppend voran und wurde schließlich ganz eingestellt. Nur südlich der Straße „Am Tatzberg“ und an der Sachsenallee entstanden noch einzelne Gebäude, bis auch dort nicht mehr weiter gebaut wurde. Den städtebaulichen Überlegungen, die der Wahrung des Residenzstadtcharakters galten, standen die Interessen der ansässigen Unternehmer entgegen. Die Zuordnung des Gebietes zu den „reinen Wohngebieten“ als stadtgestalterische Entscheidung entbehrte letztendlich einer realen Basis. Die ließ vorhandene Tatsachen außer acht.

Namensgebung „Johannstadt“

Am 6. November 1877 wurde in Allgemeinen Mitteilungen unter „Amtliches“ aus der Ratsplenarsitzung folgendes veröffentlicht: „Mit Allerhöchster Zustimmung hat das Königl. Ministerium des Inneren nach Vorschlägen des Rathes genehmigt, dass der Theil der Pirnaischen Vorstadt, welcher östlich von der Albertbrücke, deren Zugangsstraßen, der Eliasstraße, der Lennéstraße bis zur Grunaer Straße und nördlich von der letzteren in deren Fortsetzung bis zur Flurgrenze am linken Elbufer begrenzt wird, „Johannstadt“, benannt wird.“ Dieser Name wurde zum Andenken an den beliebten König Johann gewählt.

Rasantes Wachstum der östlichen Vororte

Mit der Übergabe der Albertbrücke am 19. November 1877 begann ein stürmisches Wachstum der östlichen Vororte Dresdens. Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts verliefen an den äußeren Bebauungsgrenzen der Vorstädte Wege und Alleen, die in Teilstücken das Stadtgebiet ringförmig umschlossen. Um 1875 war diese äußere Ringstraße schon ausgebaut, es fehlte lediglich noch eine Strecke am Gaswerk, die aber auch bis zur Jahrhundertwende durchbrochen wurde. Im Westen führte dieser Ring über die Marienbrücke in die Neustadt, und im Osten schloss man 1877 den Ring mit der Errichtung der Albertbrücke. Die Verkehrsbedeutung der Albertbrücke wuchs noch durch die Erschließung der östlichen Neustadt mit dem Neubau der Kurfürstenstraße (jetzt Hoyerswerdaer Straße) und der Glacisstraße, die beide geradewegs auf die Albertbrücke zuliefen.

Albert- und Marienbrücke bildeten somit bereits vor der Jahrhundertwende zusammen mit Eliasstraße, Lennéstraße, Gellertstraße, Wiener Straße, Ammonstraße, Könneritzstraße in Altstadt und Antonstraße, Albertplatz und Glacisstraße in Neustadt einen leistungsfähigen Verkehrsring, den später auch die Straßenbahnringlinie (Linie 26) befuhr. Der sogenannte 26er Ring erschloss sowohl die innenliegenden älteren Stadtgebiete als auch die außen anschließenden neuen Stadterweiterungen. Der Aufbau dieses Straßenringes mit den beiden Elbbrücken binnen 50 Jahren war das Ergebnis einer weit vorausschauenden und aufeinander abgestimmten Verkehrs- und Stadtplanung.

In einem 1877 vom Rat der Stadt Dresden ausgearbeiteten Bebauungsplan mit Wohnhäusern wurde das Gebiet am Lämmchenweg (jetzt Blumenstraße) von Elisens Ruhe (Bönischplatz) ostwärts auf Verordnung der Oberbehörde ausgeklammert, da es als Gewerbegebiet nach anderen Grundsätzen behandelt werden sollte. Ein großer Nachteil dieses Gebietes bestand in der mangelnden Verkehrserschließung. Dadurch ging der Aufbau des Industriegebietes nicht zügig voran und wurde auch nach 1878 durch ortsgesetzliche Maßnahmen weiter eingeschränkt.

1878 begann der bereits 1851 geplante Durchbruch der Grunaer Straße. Mit diesem Straßenzug erhielten die östlichen Vororte von Johannstadt bis Blasewitz verkehrsmäßig eine wichtige Verbindung zur Innenstadt. Der Straßenbau wurde durch die „Centralbank für Landerwerb“ gefördert. Die Bank hoffte durch die günstigere Verbindung mehr Baustellen in dem Gebiet zwischen Blasewitzer Straße und Großem Garten verkaufen zu können, was sich aber als Fehlspekulation erwies. Es waren nahezu 1 Million Quadratmeter, die nach den Plänen des Architekten Ernst Giese zergliedert werden sollten. Das Gelände war wegen fehlender Zugangsstraßen zu entlegen, so dass sich nur wenige Interessenten fanden. Die Zentralbank machte 1878 bankrott, da sie ihre Baustellen auf Grund fehlender Nachfrage nicht verkaufen konnte. Ihren gesamten Besitz übernahm der 1881 gegründete „Bauverein Johannstadt.“

Anlässlich einer Volkszählung 1880 war Johannstadt noch dünn besiedelt. In diesem Jahr wohnten 940 Personen in diesem Stadtteil.

Am Sachsenplatz begann 1880 der Bau der Jägerkaserne. Sie galt als der schönste Kasernenbau des 19. Jahrhunderts in Sachsen.

Die Bevölkerungszahl in Johannstadt wuchs ständig. Der Großteil der vom Umland zuwandernden Menschen war evangelischen Glaubens. Besonders aber Personen, die sich aus der Lausitz, aus Böhmen und Schlesien in Dresden ansiedelten, gehörten der katholischen Glaubensrichtung an. Für sie wurde 1886 eine Schule auf der Schumannstraße mit einer Kapelle erbaut, in der bis zur Einweihung der Herz-Jesu-Kirche an der Borsbergstraße Gottesdienste abgehalten wurden. Da die Bevölkerungszahlen immer mehr zunahmen, entstanden in den nächsten Jahren auch die Johanniskirche, die Andreaskirche und die Trinitatiskirche.

Mit der Erstellung eines neuen Bebauungsplanes wurde 1889 erstmalig wieder Bezug auf die Gestaltung der Elbuferstraße genommen. Die Quartierstruktur zwischen der Uferstraße und der Blumenstraße sowie die Ausgestaltung eine Platzes, der den Namen Bönischplatz erhielt, wurde konkret geplant. Mit derartigen Plänen versuchte man generell einen Ausgleich zwischen Industriebereichen und Wohngebieten zu schaffen, wenn auch damit keine endgültigen Entscheidungen vorlagen. Rauchende Schlote verschwanden damit auch weiterhin nicht aus dem Stadtbild. Man bemühte sich aber darum, diese wenigstens im Elbraum nicht in Erscheinung treten zu lassen.

1890 begann man auf der Pfotenhauerstraße mit dem Bau des Bürgerheimes, eines Seniorenheims, in das man sich einkaufen konnte. Der Neubau wurde 1884 eingeweiht.

1891 wurde eine Pferdebahnlinie von der Fürstenstraße (Fetscherstraße) nach Dresden-Friedrichstadt eröffnet. Diese Pferdebahnverbindung wurde erforderlich, da Johannstadt immer mehr zu einer Heimstatt der Arbeiter wurde und ein großer Teil in den westlichen Industrievierteln Arbeit gefunden hatte.

Am 6. Juli 1893 wurde die erste elektrisch betriebene Straßenbahnlinie eröffnet. Sie verband die Stadtmitte mit Blasewitz. Damit war auch bei dieser erstmaligen elektrifizierten Strecke der Stadtteil Johannstadt mitbeteiligt, und darüber hinaus stand die Kraftquelle, das Kraftwerk Ost, inmitten des Stadtteils. Die Straßenbahnwagen waren rot lackiert. Natürlich war die Einrichtung einer mit Elektrizität angetriebenen Bahn noch ein Risiko, doch die Straßenbahngesellschaft erhoffte sich davon eine Kosteneinsparung. Auch der Rat der Stadt Dresden nutzte die Elektrifizierung zum Einfluss auf den Straßenbahnbetrieb. Er konnte bestimmen, wann und wo die Pferdebahn elektrifiziert wird. Er legte auch fest, dass nur die Stadt berechtigt ist, Elektroenergie zu erzeugen. Im Frühjahr 1893 wurde das für den Straßenbahnbetrieb erbaute Kraftwerk Hertelstraße in Betrieb genommen. Am 4. Dezember 1894 verkaufte die Straßenbahngesellschaft das Kraftwerk an die Stadt. 1894 wurde der Straßenbahnhof Pfotenhauerstraße in Betrieb genommen.

Die Jahre 1896/97 waren in Johannstadt die Zeit des höchsten Bauzuwachses. Es entstanden 72 bzw. 48 neue Gebäude. Dagegen waren es 1899 nur noch neun. In der Folge einer erneuten Klassifizierung des Gebietes Johannstadt-Nord als Fabrikbezirk begannen sich die im Gebiet ansässigen Betriebe innerhalb der Quartiersbebauung und in den Erdgeschosszonen auszudehnen. Das traf besonders auf das Gebiet zwischen Blumenstraße und Tatzberg zu, wo die Höfe fast bis auf den letzten Quadratmeter besetzt waren. Die enorme Überlagerung mit Gewerbe und ihre Kaschierung nach außen durch Blockrandbebauung ließ Johannstadt-Nord bis zur Jahrhundertwende zu einem bedeutenden Industriestandort eigener Prägung in Dresden werden.

1897 begann der Neubau der städtischen Wasserversorgung und des Abwasserbeseitigungsnetzes. Im gleichen Jahr konnte unter anderem der Flutkanal Johannstadt fertiggestellt werden.

Im Zuge des Ausbaus der Hochuferstraße ließ die Stadt die Elbwiesen zu Spielplätzen herrichten.

1898 wurde durch das Ortsgesetz von Johannstadt-Nord ein Schlussstrich unter den Streit um die Klassifizierung des Gebietes gezogen. Eine Ansiedlung neuer Produktionsstätten war nicht mehr lukrativ, zumal sich im Verlauf der letzten Jahrzehnte eine Produktionsstruktur herausgebildet hatte, aus der sich andere Bedingungen und Anforderungen ergaben. Die Aufrechterhaltung der Forderung nach einem Fabrikbezirk am Johannstädter Elbufer war überholt.

Um 1900 gab es in der Johannstadt kein Bauland mehr zu erwerben. Im gleichen Zeitraum wuchs die Johannstadt mit der Pirnaischen Vorstadt und mit Striesen zusammen. Inzwischen zählte Johannstadt zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen Dresden und war erwiesenermaßen der Teil der Landeshauptstadt mit dem größten Wachstum innerhalb weniger Jahre.

Entwicklung von Johannstadt im 20. Jahrhundert

Um die Jahrhundertwende zählte Johannstadt zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen Dresdens. Während 1880 nur 940 Einwohner gezählt wurden, waren zur nächsten Zählung im Jahre 1900 bereits 52.161 Personen im Stadtteil ansässig, das entsprach einer Bevölkerungsdichte von 135,9 Einwohnern je Hektar. Durch die zunehmende Industrialisierung und den dadurch bedingten Zuzug von Arbeitskräften war Johannstadt 1910 mit 60.843 Einwohnern der am stärksten besiedelte Dresdner Stadtteil. In den folgenden Jahren nahm dann die Einwohnerzahl durch Wegzug und vor allem durch den Ersten Weltkrieg wieder ab. 1933 wurde eine Einwohnerzahl von 56.853 ermittelt.

Am Großen Garten entstanden Villen und Häuser in offener Bebauung, ansonsten prägten viergeschossige Wohnbauten in geschlossener Bebauung die Straßen der Johannstadt. Erwähnenswert ist vor allem die Bebauung am Bönisch- und Fetscherplatz, am Thomas-Müntzer-Platz sowie an der Striesener Straße mit ihren Jugendstil-Fassaden und -Treppenhäusern. Diese Häuser repräsentierten die Bauweise des aufstrebenden Bürgertums, das sich nach der Jahrhundertwende im Stadtteil ansiedelte.

Die fortschreitende Industrialisierung erfasste vor allem Johannstadt-Nord, obwohl die Johannstadt nach dem Ortsgesetz von 1878 nicht zu den Fabrikbezirken Dresdens gehörte. In den Hinterhöfen und Hinterhäusern befanden sich zahlreiche Gewerbebetriebe. Vorwiegend waren hier die Kamera- und Zigarettenindustrie ansässig. Weiterhin wurden Maschinen-, Kartonagen- und Gardinenfabriken errichtet, vor allem auf der Blasewitzer und Pfotenhauerstraße. Auf der Arnoldstraße war die Firma Gläser beheimatet, die durch ihre Karosserieproduktion deutschlandweit bekannt war.

Die Bombenangriffe vom Februar 1945 haben die Johannstadt bis auf einige Wohnkomplexe am Bönisch-, Thomas-Müntzer-, Fetscher- und Stresemannplatz fast völlig zerstört. Der Stadtteil bildete die größte zusammenhängende Trümmerfläche Dresdens und glich einer entvölkerten Trümmerwüste. Verschiedene Quellen sprechen von einem Zerstörungsgrad zwischen 75 und 80 Prozent sowie von 4.000 bis 5.000 verbliebenen Einwohnern. Nach Angaben der Historikerkommission verloren 2.000 Johannstädter ihr Leben. Die später ermittelte Trümmermenge betrug 19 Kubikmeter pro Einwohner.

Auch die vorwiegend in Johannstadt-Nord ansässige Industrie wurde größtenteils zerstört. Die Maschinenfabrik Laube und die Sächsische Cartonagen- und Maschinen-AG auf der Blasewitzer Straße, das Getriebewerk Heuer und Albert Bussenius auf der Fiedlerstraße, das Eg-Gü-Werk auf der Augsburger Straße sowie das Gläser-Karosserie-Werk wurden zu fast 100 Prozent zerstört. Dazu kamen viele zerbombte kleine Handwerksbetriebe und Geschäfte aller Art. Starke Schäden erlitten auch der Straßenbahn-Betriebshof auf der Pfotenhauerstraße mit vielen untergestellten und auf dem Streckennetz befindlichen Fahrzeugen, die Jägerkaserne, der Ausstellungspalast mit seinen Ausstellungshallen, alle Gewächshäuser des Botanischen Gartens und die dortigen Institutsgebäude, das Planetarium, das Carola-Krankenhaus, die Technischen Lehranstalten, die Berufsschule Gerokstraße, das König-Georg-Gymnasium, alle vier Grundschulen, die Andreas- und die Trinitatiskirche, das Schlösschen „Antons“, das Bürgerheim an der Fürstenstraße, das Kunstgewerbe- und das Schillingmuseum, zwei Kinos sowie die Künstlerateliers an der Pfotenhauerstraße.

Enttrümmerung und Wiederaufbau

Wie überall in Dresden wurde zuerst mit der notdürftigen Beräumung der Verkehrswege begonnen. Im weiteren Verlauf wurde aus Johannstadt ein Modellgebiet für die verschiedenen Wiederaufbaustadien, zuerst durch die komplexe Enttrümmerung, später für die Errichtung von Neubaugebieten in Großblockbauweise.

Am 13. Januar 1946 begannen de Enttrümmerungsarbeiten auf dem Thomas-Müntzer-Platz. Mit dem Beginn der großflächigen Beräumung wurden nacheinander zwei Trümmerbahnstrecken eingerichtet. Die als T2 bezeichnete Strecke wurde Mitte 1946 in Betrieb genommen. Sie begann an der Nicolaistraße und endete an der Kippe auf dem ehemaligen Vogelwiesengelände am Käthe-Kollwitz-Ufer. Hier verkippte man vom Antons-Bad bis zur Einmündung des Käthe-Kollwitz-Ufers in die Emser Allee die Schuttmassen aus Johannstadt und der Pirnaischen Vorstadt. Diese Strecke wurde bis Mai 1952 betrieben. Die Trümmerbahn T5 verlief von der Comeniusstraße bis zur Kippe Dobritz. Sie wurde 1952 eingerichtet und der Betrieb erst 1957 eingestellt.

Als Standorte der Trümmersortier- und Aufbereitungsanlagen wurden der Dürerplatz, das Gelände des ehemaligen Carolahauses auf der Gerokstraße und der Thomas-Müntzer-Platz ausgewählt. Aus der Aufbereitungsanlage Gerokstraße ging später das Plattenwerk Dresden hervor, wo Ende April 1955 die Herstellung von großflächigen Betonelementen begann.

Der erste Aufbauplan wurde am 5. Januar 1946 erlassen. Er sah die Wiederherstellung der nur leicht bis mittelschwer beschädigten Wohnungen sowie den Bau neuer Wohnungen vor. Der Wiederaufbau begann an der Comeniusstraße, es folgten Ende der 50er Jahre Wohnhäuser an der Fetscher- und Striesener Straße, die nach den Plänen der Architekten Wolfgang Hänsch und Johannes Rascher entstanden. Erstmals verließ man die klassische Bauweise und montierte stattdessen vorgefertigte Decken- und Bodenelemente mit Drehkränen.

Ab 1968/69 begann der planmäßige Wiederaufbau. In der ersten Phase entstanden in Johannstadt-Süd unter der Leitung des Architekten Udo Fehrmann bis 1971 2.523 Wohnungen. Sie wurden in Großblockbauweise als zehn- und fünfgeschossige Wohnhäuser errichtet. Großzügige begrünte Innenhöfe boten Kinderspiel- und Wäschetrockenplätze mit Ruheflächen an.

Ab 1972 wurde mit dem Aufbau von Johannstadt-Nord begonnen. Hier entstanden unter der Leitung des Architekten Kurt Röthig bis 1975 15-geschossige Hochhäuser und zehngeschossige Wohnbauten mit 3.800 Wohnungen.

Beide Wohnkomplexe wurden mit öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Kindereinrichtungen, Kaufhallen, Polikliniken und Jugendklubs ergänzt. Insgesamt wurden 6.300 Wohnungen errichtet.

Quellen:

  • Scheer, Arno: Dresden-Johannstadt. Die Welt vor dem Ziegelschlag. Dresden 1930.
  • Chronik Hofmann