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Stresemannplatz, Luftbild aus den 30er Jahren

Stresemannplatz, Luftbild aus den 30er Jahren

Walderseeplatz, Blick Richtung Südwesten

Walderseeplatz, Blick Richtung Südwesten

Walderseeplatz, Blick Richtung Nordwesten

Walderseeplatz, Blick Richtung Nordwesten

Walderseeplatz

Walderseeplatz

Stresemannplatz, früher Walderseeplatz

Der Stresemannplatz wurde 1904 als Mittelpunkt eines aus acht Straßen bestehenden sternförmigen Straßennetzes angelegt. Er befindet sich auf der Gemarkungsgrenze zwischen Johannstadt und Striesen. Zunächst erhielt er den Namen Walderseeplatz. Mit dieser Namensgebung sollte des preußischen Generals Alfred Graf von Waldersee (1832-1904) gedacht werden, der bis 1891 Generalstabschef Wilhelm II. war. Im chinesischen Boxeraufstand 1899/1900 befehligte Waldersee die europäischen Interventionstruppen, die die Volksrevolte niederschlugen.

1929 wurde der Platz in Stresemannplatz umbenannt. Gustav Stresemann (1878-1929), studierter Nationalökonom, war Mitglied des Alldeutschen Verbandes im Ersten Weltkrieg und vertrat eine extensive Annexionspolitik. 1918 gründete er die Deutsche Volkspartei. Er lebte ab 1901 in Dresden und war hier in verschiedenen Funktionen in Industrieverbänden tätig. 1920 wurde er zum Reichskanzler gewählt und erhielt für seine Verdienste um eine friedliche Nachkriegsordnung in Europa 1926 den Friedensnobelpreis. Bis zu seinem Tod im Jahr 1929 übte er das Amt des Außenministers der Weimarer Republik aus.

1933 erhielt der Platz den Namen Waldersees zurück, um 1945 nach Kriegsende wiederum in Stresemannplatz umbenannt zu werden.

Am 9. Januar 1950 wurde die erste selbständige Wochenkrippe („Kinder-Wochenvollheim“) der Stadt Dresden am Stresemannplatz eröffnet. Dreißig Kinder von berufstätigen Eltern wurden in dem Heim von Montag bis Sonnabend durchgehend betreut.

1962 wurde durch die Stadtverwaltung eine erneute Umbenennung beschlossen, der Platz erhielt den Namen des Schriftsteller Johannes R. Becher (1891-1958). Becher gilt als einer der wichtigsten Vertreter des sozialistischen Realismus in der Literatur und schuf u. a. den Text der DDR-Nationalhymne. 1993 wurde der Johannes-R.-Becher-Platz erneut umbenannt und trägt heute wieder die Bezeichnung Stresemannplatz.

Die Nordostseite des Platzes wurde in geschlossener, die Südseite dagegen in offener Bebauung ausgeführt. Die Gebäude um den Platz entstanden 1905 bis 1910 und weisen zum Teil Schmuckformen im Jugendstil auf. Die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 verschonte den Platz weitestgehend. Nur vier Gebäude (Nr. 4, 5, 9 und 10) wurden zerstört. Diese wurden durch Blockbebauung ersetzt. Die noch erhaltenen Gebäude wurden nach der Wende bis ins Detail liebevoll saniert. Die alten Gaslaternen, die auf elektrischen Betrieb umgestellt wurden und von Anfang an für Licht sorgten, sind noch erhalten. In der Mitte des Platzes befindet sich ein kleiner Park, der mit Blumenrabatten und Sträuchern gestaltet ist. Blumenbänke unter den sich dort befindlichen Pappeln, Eichen und Ahornen laden zum Verweilen ein. Ein kleiner Spielplatz bietet Kindern Raum zum Spielen und Toben.

Nr. 1
Dieses „herrschaftliche“ Wohnhaus ist mit seiner Architektur ein charakteristisches Beispiel für die Bauweise Anfang des 20. Jahrhunderts. Die schlichte Putz-Sandstein-Fassade wird von üppigem Dekor im Jugendstil aufgelockert. Der Eingangsbereich wird durch eine frei stehende Pforte hervorgehoben. Lange Zeit verschandelten die davor aufgestellten Wertstoffsammelbehälter das Grundstück. Sie wurden aber durch Unterflur-Wertstoffcontainer ersetzt.

Nr. 2
Ein bemerkenswertes Beispiel einer hochherrschaftlichen umzäunten Wohnvilla. Diese wird durch unterschiedliche Formen des späten Jugendstils belebt. Zu erwähnen wären hier insbesondere turmartige Anbauten, Giebelformen nebst Loggien und Balkonen und der gestalterisch besonders hervorgehobene Eingang.

Nr. 3
Auch diese Wohnvilla besticht durch ihre Fülle an gestalterischen Elementen des späten Jugendstils. Dies wird besonders durch eine Fülle von herausgehobenen Elementen, etwa einer bewegten Dachlandschaft, Eckerkern, Balkonen und dem Giebel verdeutlicht. Auffallend ist der mit Löwenfiguren gestaltete Eingangsbereich.

Nr. 9
2007 eröffneten hier Susanne Schönherr, Andrea Grille und Franziska Ramm ihren SUAN Friseurladen. Desweiteren befindet sich in dem Haus das Stadtteilprojekt für Jugendliche SOFA vom Roten Baum e.V..