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Schulkinder, Mitte der 1930er Jahre

Schulkinder, Mitte der 1930er Jahre

Zöllnerplatz von Westen gesehen

Zöllnerplatz von Westen gesehen

Zöllnerplatz von Südosten gesehen

Zöllnerplatz von Südosten gesehen

Schulzeit im Krieg, BDM-Dienst

Erinnerungen von Ruth Geyer, geb. Schweizer, Jg. 1928 (Gespräch mit Matthias Erfurth, JohannStadtArchiv, am 4. März 2011)

RS: „Im April sollte ich in die Mittelschule kommen, nach dem vierten Schuljahr, […] in die neue Schule. Das war dann eben die am, dort beim Rathaus, und, na ja, dann bin ich sechs Jahre dort in die Mittelschule gegangen, und ging eigentlich alles gut, wir hatten auch eigentlich keine Angriffe groß. Wenn schon mal Alarm war, sind wir im Großen Garten spazierengegangen, wir Kinder, und haben uns gefreut, dass wir keine Schule hatten, ne, so ungefähr.

JoStA: Und Du hast doch am Zöllnerplatz gewohnt, wie bist Du dann immer in die Schule gekommen zum Rathaus?

RS: Mit'n Straßenbahnen. Mit der Straßenbahn, mit der 1 und mit der 16, die fuhren dann direkt bis zum Georgenplatz und fuhren noch weiter, und da ging das problemlos, ne. Das ging durch die Pirnaische Straße, Pirnaischen Platz, und dann Waisenhausstraße.

JoStA: Und nach der Schule, wo habt ihr dann immer gespielt? Wart ihr dann im Park?

RS: Da sind wir dann heim. Die Kinder von unserer Klasse, die waren ja von überall her: Da waren viele von Neustadt, dann war eine, die kam von – ich weiß nicht mehr, wie das jetzt hieß – Söbrigen oder, also, die hatte weeeit! Das war aber zusammengewürfelt. Und nach dem achten Schuljahr – da war ja nun schon der Krieg mittendrin, ’43 – da sind wir dann noch einmal in ne andere Schule gekommen, und zwar war die auf der Reichenbacher Straße, das war hinterm Hauptbahnhof, weil dann schon viele Kinder nicht mehr da waren … Da wurde zusammengelegt. Dort waren wir die letzten beiden Jahre, und wie gesagt, auf einmal hieß es am 10. Februar: „Ihr werdet entlassen!“ Ganz plötzlich. Wir hatten die ganzen schriftlichen Arbeiten erledigt, aber es hätte noch das Mündliche ausgestanden. Und da haben wir einfach an nem Freitag ein ziemlich, na, belangloses Papier gekriegt, stand aber nun alles drauf, und wir waren eben fertig mit der Schule. Dann sind wir – wir waren dann eben durch das Zusammengewürfelte sieben Mädeln und wir haben zusammengehalten – und wir sind dann nach den Entlassungssachen sind wir eben dann in den Zwinger, sind die Prager Straße runtergelaufen, und hatten noch jeder eine Marke mit – gab ja Marken damals – und in der Schlossstrasse war so ein kleines Café, da kriegte man für so ne Brotmarke so’n Stückel Kuchen oder Torte, das haben wir uns noch genehmigt dort, und dann sind wir noch im Zwinger gewesen und sind noch eigentlich da rumgealbert, und im Kaufhaus waren wir auch noch einmal, na, und hieß es „Tschüß! Wir werden uns schon mal wieder sehen!“ – und das war’s.

JoStA: Und viele haste nicht wiedergesehen.

RS: Ja.

JoStA: Und hattest Du auch früher so jüdische Freundinnen, die eben dann irgendwann auch nicht mehr da waren, oder so?

RS: Ich hatte eben die Annelies, die war in Dresden-Neustadt, mit der hab ich immer zusammengehalten. Aber die Kinder, Mädeln, die bei uns im Viertel wohnten, wir waren dann alle zerstreut. Wir haben schon mal geschrieben, aber wie’s dann so war, man hatte dann eben auch andere Interessen, und ist dann nicht mehr so zusammengekommen. Aber ich hatte, wir mussten ja, wir waren ja damals BDM, das war ja nun Pflicht, wir mussten oder haben im Bahnhof Bahnhofsdienst gemacht, weil wir die Flüchtlinge vom Osten, die Transporte … Und die hatten nun Dresden-Aufenthalt, und wir wurden da eingesetzt. Wir durften die kleenen Kindern rausnehmen und haben dann die Muttis mit ihren Kindern hier in so Wickelstuben gebracht, oder wir haben auch Fettschnitten geschmiert und haben die an die Züge gebracht, und Tee zu trinken, und so.“