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Karosseriebau Gläser

Im Jahre 1864 begann der Sattlermeister Carl Heinrich Gläser mit dem Bau von Schlitten und Kutschen auf der Rampischen Gasse 6, nahe der Frauenkirche. Diese konnten in Preisgestaltung und Qualität so überzeugen, dass Gläser zum Offiziellen Hoflieferanten ernannt wurde. Seit 1898 arbeitete Gläser mit dem Radeberger Geschäftmann Friedrich August Emil Heuer zusammen, der auch seine Tochter heiratete. Heuer trat als Teilhaber in das Unternehmen ein und setzte sich gegen den Widerstand Gläsers für den Bau von Automobilkarosserien ein. Nach Gläsers Tod führte Heuer den Betrieb als alleiniger Inhaber weiter. 1902 begann die Firma Gläser mit dem Bau von Autokarossen als Einzelanfertigungen. Auch eine kleine Serie von Straßenbahnwagen für die Dresdner Straßenbahn wurde hergestellt. Wahlweise konnte man bis nach dem 1. Weltkrieg Kutschen oder Luxuskarossen, nach individuellem Geschmack ausgestattet, bestellen. Die Firma Gläser war Inhaber mehrere Patente, u.a. für einen Fensterheber, den man auf Grund seiner Eigenschaft „Silentium“ nannte.

1913 konnte ein größeres Grundstück auf der Arnoldstraße 18-24 erworben werden. Auf diesem Grundstück wurden moderne Werkhallen errichtet, in die die Werkstätten verlegt wurden. In den Kriegsjahren 1914 bis 18 stieg die Fa. Gläser in die Kriegsproduktion ein und fertigte Tragflächen und Fahrwerke für Fokker-Jagdflugzeuge der Luftwaffe.

Nach dem Tod von Erich Heuer führten die Söhne die Geschäfte des Vaters weiter. Häufig bestellten die Kunden das Fahrwerk und den Motor bei Herstellern wie Benz und Daimler und ließen die Karossen separat anfertigen. Insbesondere die von Georg Heuer geschaffenen Cabriolet-Karosserien der 30er Jahre zeichnen sich nicht nur gestalterisch, sondern auch technisch-konstruktiv aus. Sein sechsfenstriges Pullman-Cabriolet zählt zu den Meilensteinen des Karosseriebaus. Neben der Modellkarosserien baute Fa. Gläser auch Karosserien in Kleinserienfertigung.

1932 geriet die Firma Gläser in finanzielle Schwierigkeiten und Georg Heuer schied freiwillig aus dem Leben.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Fa. Gläser mit Rüstungsproduktion beauftragt. Sie stellte u.a. Flugzeugteile her. 1945 wurde der Betrieb schwer beschädigt. Der Neubeginn nach Kriegsende war beschwerlich. Zunächst wurden aus deutschen Heeresbeständen Haushaltsbedarfsartikel produziert. Ab Mitte 1946 entstanden für die sowjetische Besatzung einzelne Autokarosserien, aufgebaut auf Horch-Chassis. 1948 erfolgte die Enteignung der Familie Heuer, die daraufhin in den Westen emigrierte und in der Oberpfalz ein neues Unternehmen gründete. Diese Firma musste wegen Fehlkalkulation und fehlender Aufträge bereits 1952 geschlossen werden.

Nachfolgebetrieb der Gläserkarosserie GmbH wurde 1953 das VEB Karosseriewerk Dresden (KWD). Dieses fertigte zunächst Karosserien für den IFA Typ 8, dem von IFA nahezu unverändert weiter gebauten Vorkriegs-DKW-Typ F8. Später wurden Karosserien für den Wartburg und den IFA Typ P 240 „Sachsenring“ gefertigt. Ebenfalls beteiligte man sich an der Entwicklung der Kunststoffkarosserie des P 70. Mit der Entwicklung der Kunststoffkarosserie und der Herstellung der Wartburg-Außenverkleidung ging die Individualität und Exklusivität der Firma Gläser verloren. Die Serienkarosserien für den „Wartburg Tourist“ wurden bis 1990 gefertigt. Die ungünstige Lage des Werkes mitten im Wohngebiet führte Anfang der 1970er Jahre zur Verlegung der Produktion nach Radeberg. Nur die Verwaltung und die Ausbildung blieben auf der Arnoldstraße.

1994 wurde das Werk privatisiert und arbeitet seitdem als Zulieferer für Automobilhersteller wie Audi, BMW, VW und Daimler.

Weblink: Karosseriehersteller Gläser in der Wikipedia