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Lichtdruck von Römmler & Jonas (1875), Barteldes-Villa in Blasewitz (heutiger Barteldesplatz)

Lichtdruck von Römmler & Jonas (1875), Barteldes-Villa in Blasewitz (heutiger Barteldesplatz)

Kunstdruckanstalt Römmler & Jonas

Als Sohn eines Porträtmalers kam am 16. Februar 1842 in Mittweida Emil Römmler zur Welt. Siebzehnjährig zog er über Berlin nach München. Bei dem Hoffotografen Joseph Albert, dem „Vater des “Lichtdrucks”, lernte er die Lichtbildnerei und von dessem Sohn Dr. Eugen Albert kaufte Römmler später ein Patent. Um 1858 entstand Römmlers erste kommerzielle Aufnahme, diese existiert noch heute. Über Köln und Paris, wo er kurzzeitig bei anderen Fotografen arbeitete, kam er nach Dresden. In der Bürger- und Gewerbeakte im Dresdner Stadtarchiv ist im Antrag vom 19. August 1861 nachzulesen: „Durch meinen Vater, Carl Römler, Photograph, Bürger und Hausbesitzer in Chemnitz, ist mir der Auftrag geworden, hier in Dresden ein Bürgerrechtsgesuch einzureichen, indem er bezweckt ein photographisches Atelier für Wissenschaft, Kunst und Industrie an hiesigem Orte zu errichten.“

Emil Römmler eröffnete in der Nähe der Bürgerwiese ein Fotoatelier, widmete sich aber bald der Herstellung von Lichtdrucken. 1871 gründete Römmler mit dem Buchhalter Leopold Erasmus Jonas als Kompagnon die Kunstdruckanstalt Römmler & Jonas. Das Geschäft ging gut und bald waren die Fabrikationsräume zu klein. Das Geschäft zog auf den Striesener Platz 10, wo sich neben den Produktionsräumen auch die Wohnung der Familie befand. Römmlers bis dahin geleistete Arbeit fand Anerkennung in der Verleihung des Titels „Königlicher Hofphotograph“, und 1910 folgte die Ernennung zum Kommerzienrat. Römmler erwarb um 1889 das Grundstück Blasewitzer Straße 27 und ließ darauf den für die damalige Zeit großen Betrieb bauen. 20 Großpressen, eine Buchbinderei sowie eine Villa entstehen so in der Johannstadt. Als einer der ersten setzte Römmler großmaschinelle Verfahren ein, was ihm die Herstellung großer Stückzahlen ermöglichte und so den wirtschaftlichen Erfolg seines Unternehmens begründete. Sehr früh erkannte Römmler auch die Bedeutung der Industrie für die Fotografie und seinen Betrieb. In seinem Buch schrieb er:
„Ich war immer der Meinung, die Zukunft der Fotografie liege nicht in der Porträtherstellung, sondern in der Abbildung von Gegenständen der Industrie sowie in der Herstellung von Kopien nach Gemälden und Landschaftsbildern. /…/ Durch Zufall lernte ich den Direktor der Fabrik für Steingut Villeroy & Boch, Chamoz, kennen und machte ihn darauf aufmerksam, dass man seine hässlichen Katalogbilder durch Fotografien ersetzen könne.“

Dieses Gespräch führte im Weiteren zu einer guten Zusammenarbeit, der nächste Fliesenkatalog von Villeroy & Boch wurde von Römmler gestaltet. Anfang des Jahrhunderts begann die Blütezeit der Farbdruckerei, bereits da hatte sich Emil Römmler Patente für den Drei-Farben-Druck gesichert.

Im Jahre 1909 übertrug Emil Römmler die Geschäftsführung seinem Sohn Hans. Dieser modernisierte den Betrieb grundlegend und stellte ihn auf Farbdruck um. Ab 1911 gehörte die Firma Römmler & Jonas zu den bedeutendsten Produzenten hochwertiger Farbdrucke in Deutschland. Sie stellte vorrangig Licht- und Kunstdrucke, Bildmappen, Kalender, Postkarten mit dem für sie charakteristischen roten Rand und Reproduktionen von Gemälden her. Im 1. Weltkrieg wurden in der Firma Druckerzeugnisse für den militärischen Bedarf hergestellt. In den Jahren der Weltwirtschaftskrise druckte die Firma Römmler & Jonas Notgeldscheine.

1928 verkaufte Hans Römmler, der der Nazibewegung sehr aufgeschlossen gegenüber stand, den Betrieb der öffentlichen Güntzstiftung. Den Erlös spendete er der Ludendorff-Bewegung. Die Güntzstifung führte den Betrieb bis 1945 unter dem alten Namen weiter.

Emil Römmler, der mit dem Kronenorden, dem Ritterorden, dem Osmaniorden, der österreichischen Goldmedaille „Virbus unitus“, der Coburgischen Verdienstmedaille und der türkischen Medaille für Kunst geehrt wurde, starb am 19. Januar 1941. Er hinterließ über 10.000 Lichtdrucke, die Dresdner Kostbarkeiten, aber auch Dresdner Villen dokumentierten. Er gehört zu den Pionieren des Postkarten-Drucks.

Während des Bombenangriffs am 13./14. Februar 1945 wurden Teile der Druckerei zerstört. Die erhaltenen Maschinen und Anlagen wurden nach der Enteignung demontiert und als Reparationsleistung in die Sowjetunion gebracht. Die Firma Römmler & Jonas hörte somit auf zu existieren. In die noch erhaltenen Betriebsgebäude zog ein Verpackungsmaschinen-Werk ein. 1999 wurde der Gebäudekomplex abgerissen.

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