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Elbeflughafen

Dresden-Johannstadt war der Startpunkt der 1. Wasserfluglinie Europas, bei der im regelmäßigen Linienflugverkehr unter Nutzung schiffbarer Flüsse Wasserflugzeuge starteten und wasserten.

Am Johannstädter Elbufer, gegenüber der Prießnitzmündung, befand sich am Elbausschiffungsplatz der Wasserflughafen. Ein vergrößerter Bootssteg diente zum Ein- und Ausstieg, ansonsten waren keine weiteren Baulichkeiten vorhanden. Am 10. August 1925 startete zum ersten Mal ein Passagierflugzeug, eine Ju F13, nach Hamburg.

Maximal fünf Fluggäste konnten diese Reise antreten. Der etwa vierstündige Flug mit einer Länge von nahezu 450 km führte von Dresden über Riesa, Torgau und Wittenberg nach Magdeburg. Dort erfolgte ein zwanzigminütiger Zwischenstopp, bevor es über Tangermünde und Wittenberge nach Altona ging.

Neben den Passagieren wurde auch Post befördert. Der Flugpreis betrug von Dresden nach Magdeburg 40 Mark, nach Hamburg 90 bis 100 Mark.

Der bekannte Dresdner Professor Heinz Nadler erinnerte sich an die Landung vor 70 Jahren. Er war damals Schüler und 15 Jahre alt. Er berichtete: „Wir standen auf der Albertbrücke und so haben wir das verfolgt. Die Flugzeuge kamen und sobald wir das Motorengeräusch von der Brücke aus hörten, […] da haben wir gewartet. Da mussten wir uns entscheiden, was wichtiger war: entweder den Start zu beobachten oder die Schule pünktlich zu besuchen. Wir hatten uns für den Flugzeugstart entschieden.“

Im Herbst 1926 wurde die Flugverbindung Dresden–Hamburg wegen Unrentabilität eingestellt. Oft musste der Flug ausfallen, da die Elbe Hochwasser führte oder Eisschollen den Fluss bedeckten bzw. er ganz vereist war. Die Flüge nach Hamburg wurden vom Flugplatz auf dem Heller mit normalen Flugzeugen als Ersatz für die Wasserfluglinie angeboten.

Auch wenn die Fluglinie nur reichlich ein Jahr bestanden hat, so gibt es doch zum Glück eine Menge alter Postkarten, die dieses Kuriosum für die Nachwelt dokumentieren.

Aus Anlass des 70. Jahrestages der Eröffnung der ersten Europäischen Wasserfluglinie fand am 12. August 1995 eine Jubiläumsveranstaltung am Johannstädter Elbufer statt. Ein Wasserflugzeug vom Typ Maule M6-235 wasserte auf der Elbe und brachte aus Dresdens Partnerstadt Hamburg einen Postbeutel voller Luftpostsendungen mit. Zahlreiche Schaulustige verfolgten das Geschehen. Flugkapitän Jörg Steber und Oberbürgermeister Dr. Herbert Wagner tauschten nach historischem Vorbild und genau festgelegtem Ablauf Grußadressen aus. Besucher am Jubiläumstag konnten an einem Kiosk ihre Post aufgeben, die mit einem Sonderpoststempel und einem Hinweisstempel versehen war. Zwischen der Landung am Vormittag und dem Start nach Hamburg gegen Abend wurden Rundflüge veranstaltet. Aus gleichem Anlass starteten am 12. August drei Heißluftballons.