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Straßburger Platz/Fucikplatz/Stübelplatz

Der Stübelplatz entstand im Jahr 1880 infolge des Durchbruchs zur Grunaer Straße und der Verbreitung der Neuen Pirnaischen Landstraße. Hier am Rande des Großen Gartens kreuzten sich die Grunaer Straße, Stübelallee, Güntz- und Lennéstraße. Im Jahr 1898 wurde der Platz nach dem Dresdner Bürgermeister Dr. jur. Paul Alfred Stübel benannt. Er war von 1877 bis zu seinem Tod Oberbürgermeister der Stadt Dresden. 1951 erfolgte in Gedenken an den tschechischen Schriftsteller, Journalisten und kommunistischen Kulturpolitiker Julius Fucik die Umbenennung in Fucikplatz. Fucik, der am 23. Februar 1903 geboren wurde, engagierte sich im Widerstand gegen die deutsche Besatzung Tschechiens und gehörte zum Zentralkomitee der in der Tschechoslowakei verbotenen Kommunistischen Partei. Im April 1942 wurde er verhaftet, zum Tod verurteilt und am 8. September 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet. 1991 erhielt der Platz den Namen von Dresdens Partnerstadt Straßburg.

Bis 1945 trug der Stübelplatz durch seine Nähe zum Großen und Botanischen Garten sowie die gute Verkehrsanbindung und die hier ansässigen Einrichtungen einen kulturell-repräsentativen Charakter. Bereits 1885 richtete die Stadt in einem hölzernen Festbau das VI. Deutsche Turnfest aus. 1896 wurde an gleicher Stelle der Ausstellungspalast mit den ihn umgebenden Ausstellungsflächen erbaut. 1926 wurde Ausstellungsgelände durch den Bau des Planetariums und 1928 durch das Kugelhaus ergänzt.

Auf der Johannstädter Seite dominierten Mietshäuser in geschlossener Bebauung. Der Platz bot trotz seiner Bedeutung als wichtiger Verkehrsknotenpunkt den Anwohnern durch die vorhandene Grünflächengestaltung Ruhe- und Aufenthaltsmöglichkeiten an.

1901 wurde ein Brunnen zum Gedenken an den Oberbürgermeister Stübel eingeweiht. Gestaltet hatte ihn der Architekten Alfred Hauschild, die Schmuckelemente hatte der Bildhauer Hans Hartmann-McLean ausgeführt. Das Denkmal in Form einer hohen Säule mit vergoldetem Medaillon Stübels und barocker Plastik auf einer dreieckigen Basis stand inmitten einer Grünanlage. 1960 wurde die Säule infolge ihrer schweren Beschädigung während der Luftangriffe im Februar 1945 abgetragen.

1946 musste auch der kriegszerstörte Ausstellungspalast abgetragen werden, da ein Wiederaufbau nicht möglich war. Damit verlor der Stübelplatz seine Bedeutung als Ausstellungszentrum. Die Ausstellungen wurden in die Stadthalle auf dem Dr.-Kurt-Fischer-Platz (heute Olbrichtplatz) verlegt. Erst mit der Errichtung einer Doppelhalle aus Stahl, Glas und Aluminium und mit 2.000 m² überdachter und 4.000 m² Freifläche konnte auf dem Fucikplatz 1969 wieder eine Ausstellungstätigkeit aufgenommen werden. Die Fläche vor den Ausstellungshallen wurde betoniert und als „Festgelände“ bezeichnet. Hier fanden als Freiluftveranstaltungen die „Pressefeste“ und die Vogelwiese statt.

1951 wurde ein zerstörtes, aber ausbaufähiges Gebäude, das zum Ehrlichen Gestift gehörte, für die Musikschule „Carl Maria von Weber“ wieder aufgebaut. Leider wurde die Ruine der Kirche des Gestifts 1950 gesprengt und abgetragen.

Am 27. Mai 1951 starteten auf dem Platz die Radamateure der DDR zum 1. Meister-lauf. Die Spitzenklasse war zu einem Straßenrennen „Rund um Dresden“ angetreten. Die 217,3 km lange Strecke führte wieder zurück in die Nähe des Startpunktes auf die Stübelallee.

Nicht weit von der Stelle, an der ehemals das Stübeldenkmal stand, wurde am 13. September 1953 ein Denkmal für den tschechischen Schriftsteller Julius Fucik eingeweiht. Ein schlichter Stein, umgeben von einer Baumgruppe, trägt Fuciks Ausspruch: „Menschen, ich hatte Euch lieb, seid wachsam“.

Im Oktober 1953 wurde eine Gleisstraße für die Trümmerbahn vom Fucikplatz zur Krenkelstraße gelegt. Mit ihrer Hilfe wurden die Trümmermassen vom Fucikplatz schneller, kostengünstiger und Kräfte sparender abtransportiert.

Am 1. Mai 1954 wurde am Fucikplatz erstmals eine Ehrentribüne für den Oberbür-germeister und die Gewerkschafts- und Parteivorsitzenden der Stadt Dresden errichtet, die das Defilee der Dresdner Bevölkerung bei der Parade zum Internationalen Tag der Arbeiterbewegung abnahmen.

1954 begann auch der Wiederaufbau auf der Westseite des Fucikplatzes mit fünfgeschossigen Wohnbauten in traditioneller Bauweise. Von 1968 bis 1970 folgte der Wiederaufbau der Südseite mit 15-geschossigen Wohnhochhäusern. Ab 1977 wurden auf der Ostseite zehngeschossige Wohnhäuser in Plattenbauweise errichtet. Die neu geschaffenen 535 Wohneinheiten in den Häuern vom Typ IW 67 konnten an rund 1200 Bewohner übergeben werden. Die Neubauten in Plattenbauweise wurden von den Architekten Heinz Michalk, Jörg Bösche, Bernhard Redlich, Peter Wittisch und Ehrenfried Kubin entworfen und in der Bauphase betreut worden. 1978 war die Neubebauung des Fucikplatzes abgeschlossen.

Geplant war ursprünglich ein eingeschossiger Ladenvorbau, der jedoch nicht zur Ausführung kam. Die zehngeschossige nördliche Front beherrschte den Fucikplatz. Die Betonbrüstungsbänder erhielten einen Glasmosaikschmuck. Einrichtungen des Gesundheitswesen und der Sparkasse zogen in die Erdgeschosszonen ein. Dazu wurden Eingangstreppen und Türen vom Platz her errichtet. Für die Versorgung der Bewohner mit Waren des täglichen Bedarfs wurde eine Kaufhalle etwas nach Nordost zurückversetzt errichtet, die 1979 eröffnet wurde.

2000 mussten die Ausstellungshallen dem Bau der Gläsernen Manufaktur weichen, die 2002 fertiggestellt wurde.

2001 veranstaltete das Stadtplanungsamt die städtebauliche Ideenwerkstatt „*Straßburger Platz*“. Fünf teilnehmende Planungsbüros entwickelten sieben Bebauungsvarianten. Das Konzept des Architekturbüros Knerer und Lang wurde nach entsprechendem Verfahren zur Grundlage des Rahmenplanes 767 bestimmt, der eine Verbesserung der Bebauung und Begrünung des Straßburger Platzes vorsah.

2004 erfolgte der Abriss der direkt am Straßburger Platz errichteten zehngeschossigen Wohnhäuser. Die dahinter liegenden Gebäude wurden zwar architektonisch nicht verändert, erhielten aber eine ansprechende und farbenfrohe Fassadengestaltung.

Quellen: