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Arnoldstraße

Die Arnoldstraße ist eine Verbindungsstraße in Johannstadt-Nord zwischen der Gerokstraße und dem Thomas-Müntzer-Platz, ihre Länge beträgt 800 Meter. Die Straßenbenennung erfolgte im Jahr 1893. Johann Christoph Arnold (1763-1847) war Buchhändler und Verleger sowie Begründer der berühmten Dresdner Arnoldischen Buchhandlung.

Die zunehmende Industrialisierung der Johannstadt im ausgehenden 19. Jahrhundert bewirkte eine Mischbebauung, an der Straße befanden sich vorwiegend Wohnhäuser, die die in den Innenhöfen befindlichen kleinen Industriebetriebe, deren Anzahl ständig zunahm, verdeckten.

Eine der ersten Industrieansiedlungen war die 1882 durch Karl Siegel und Georg Marwitz auf der Arnold- und Blumenstraße gegründete erste Gardinenfabrik in Dresden. Es wurde gewebt, gebleicht, appretiert, gewaschen und gespannt. Der Eintrag ins Handelsregister erfolgte am 10. Juni 1884 unter „Dresdner Gardinen- und SpitzenManufaktur Actien-Gesellschaft“. Das Gründungskapital der Firma betrug 500.000 RM. Der Aufsichtsrat setzte die Herren Marwitz und Siegel als Vorstände ein. Grund für die Standortwahl war, dass in Johannstadt bereits eine Bleicherei und Appreturanstalt von Georg Marwitz und Partnern angesiedelt war. Es bot sich an, die vorhandenen Gebäude zur Herstellung von Gardinen zu nutzen, denn die aus Baumwolle hergestellten Gewebe mussten nach dem Webvorgang auf der Bobinetmaschine mit Hilfe von Wasser gebleicht, appretiert und gespannt werden. Bis 1896 bestand die Gardinenweberei in Johannstadt und wurde dann im erweiterten Umfang in Dresden-Dobritz fortgeführt. Trotzdem wurden weiterhin in Johannstadt gewebte und gebleichte Gardinen gewaschen und nur zum Spannen nach Dobritz gebracht. Erst 1899 wurde die Gardinenfertigung in Johannstadt vollkommen aufgegeben.

Während des Bombenangriffs am 13./14. Februar 1944 wurden die Gebäude auf der Arnoldstraße und die dort befindlichen Betriebe größtenteils zerstört. Nach Angaben der Historikerkommission verloren neun Anwohner ihr Leben:

Litzmannstraße 1 – drei Todesopfer
Litzmannstraße 2 – ein Todesopfer
Litzmannstraße 3 – zwei Todesopfer
Litzmannstraße 4 – ein Todesopfer
Litzmannstraße 8 – ein Todesopfer
Litzmannstraße 17 – ein Todesopfer

Nr. 1
Am 1. August 1898 gründete der damals dreißigjährige Arthur Schloßmann, der von 1893 bis 1906 in Dresden als Kinderarzt praktizierte, das erste Säuglingsheim in Deutschland im Verein „Kinderpoliklinik in der Johannstadt mit Säuglingsheim“, nachdem er bereits am 20. Dezember 1897 die finanziellen und organisatorischen Voraussetzungen geschaffen hatte. Er prägte den Hausspruch: „Zartes Lieben, treues Sorgen, Opferfreude, Ernst der Pflicht. Also dienen wir dem Kinde vor der Menschheit Angesicht.“ Sein Ziel war, die Lebensbedingungen der Säuglinge zu erforschen, um die Ursache der damals noch sehr hohen Säuglingssterblichkeit zu finden. Er kam zu dem Schluss, dass falsche bzw. ungenügende Ernährung der Säuglinge eine Ursache des frühzeitigen Todes war. Er erkannte auch die besondere Bedeutung der Muttermilch für die gesunde Ernährung der Säuglinge. An der Seite Arthur Schloßmanns war der Kinderarzt Dr. Richard Flachs ein Mitbegründer und Oberarzt des Vereins Kinderpoliklinik.
Als Schloßmann 1906 aus Dresden nach Düsseldorf übersiedelte, waren es der Vorstand des Vereins Kinderpoliklinik und es vor allem Karl Lingner, der Oberbürgermeister Dr. Otto Beutler, der Rektor der Technischen Hochschule Prof. Ernst v. Mayer und der Einflussreiche Commerzienrath Consul Theodor Menz, die 1907 die Stadt überzeugten, die Verwaltung der Kindersäuglingsheimes zu übernehmen. Schloßmann starb 1936 in Düsseldorf. Seine letzte Ruhestätte fand er aber in Dresden auf dem Waldfriedhof Weißer Hirsch.

Nr. 10
Unter dieser Adresse befand sich die Grebe & Kästner G.m.b.H. Sie stellte die Arara-Spirituskocher her.

Nr. 14–18
Auf der Arnoldstraße befanden sich ab 1913 die Werkstätten der Firma Gläser. Diese wurde im Jahr 1864 gegründet und begann mit dem Bau von Schlitten und Kutschen. Ab 1902 bis Anfang der siebziger Jahre baute die Fa. Gläser Autokarossen in Einzelanfertigung.

Nr. 16
In dem denkmalgeschützten Haus befindet sich seit 2002 die Spielegaststätte „Triangel“. Hier kann man für ein geringes Entgelt Spiele ausleihen und den ganzen Abend mit Freunden und Gleichgesinnten beim Spiel verbringen. Im Januar 2004 gründeten im Triangel Spielebegeisterte den Verein „Triangel e.V.“, der sich die Verbreitung und Erhaltung des Kulturgutes „Gesellschaftsspiel“ zum Ziel gesetzt hat.

Nr. 17
Ab 1902 befand sich hier der E. Pierson‘s Verlag. In dem Verlag vereinte sich eine Verlagsbuchhandlung, eine literarische Agentur und eine Buch- und Kunstdruckerei.

Nr. 18a
Hier befindet sich die Pro Seniore Residenz, ein Neubau der Unternehmensgruppe Pro Senioren mit Sitz in Saarbrücken. Das Haus bietet 224 Plätze im Pflegebereich sowie acht Ein-Zimmer-Appartements im Wohnbereich mit individueller Betreuung.

Nr. 29 und 31
Beide um 1910 entstandenen Mietshäuser sind noch fast in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Sie stellen ein anschauliches Beispiel der Dresdner Architektur nach
1900 und befinden sich deshalb auf der Liste der kulturhistorischen Denkmäler der Stadt Dresden.