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Pfotenhauer-/Ecke Stephanienstraße

Pfotenhauer-/Ecke Stephanienstraße

Pfotenhauer-/Ecke Gutenbergstraße

Pfotenhauer-/Ecke Gutenbergstraße

Pfotenhauerstraße (an der Straßenecke links Arkadia Cigaretten-Fabrik, rechts Gaststätte

Pfotenhauerstraße (an der Straßenecke links Arkadia Cigaretten-Fabrik, rechts Gaststätte "Elsasser Hof")

"Elsasser Hof", Pfotenhauerstraße (1913)

"Elsasser Hof", Pfotenhauerstraße (1913)

August Helms Restaurant, Pfotenhauerstraße (1908)

August Helms Restaurant, Pfotenhauerstraße (1908)

"Radeberger Bräustübel", Pfotenhauerstraße

R.W. Franke Schank- & Speisehaus

R.W. Franke Schank- & Speisehaus

Konditorei Max Schubert, Pfotenhauerstraße

Konditorei Max Schubert, Pfotenhauerstraße

Erlwein-Toilettenhäuschen

Erlwein-Toilettenhäuschen

40. Hebestelle

40. Hebestelle

Arthur Schloßmann

Arthur Schloßmann

Pfotenhauerstraße

Diese Straße wurde 1876 ausgebaut und 1878 nach Friedrich Wilhelm Pfotenhauer (1812–1877) benannt, der von 1853 bis 1877 Oberbürgermeister der Stadt Dresden war.

Sie wurde als Straße 36 mit einem ungeradlinigen Verlauf durch die Johannstadt geplant und verläuft von der Elsasser Straße bis zur Goetheallee. Ab der Kreuzung mit der Gutenbergstraße sollte die Pfotenhauerstraße eine parallele Führung als Begrenzung des Trinitatisfriedhofes nehmen. Mit der Einrichtung einer Straßenbahnlinie wurde eine geradlinige Führung bis zum Eliasplatz notwendig. Diese gab dem Bönischplatz sein heutiges dreieckiges Aussehen.

1876 begann die Baugesellschaft „Neue Germania“ die Bebauung der Pfotenhauerstraße. Der Baubeginn fand zum Zeitpunkt der Zurücknahme der Erklärung des Gebietes Blumenstraße als Fabrikbezirk statt. Damit kam die Bautätigkeit auf der Pfotenhauerstraße zum Erliegen, weil die Investoren stark verunsichert waren.

Erst mit der Änderung der Ortsatzung am 7. März 1884, in der die Etablierung eines „Neuen Fabrikbezirkes“ zwischen Blumenstraße, Tatzberg und Birkenwäldchen festgesetzt und die Pfotenhauerstraße als eine reine Wohn- und Geschäftsstraße ausgewiesen wurde, setzte eine rege Bautätigkeit ein. Die Straße wurde als städtische Hauptachse ausgelegt, an der sich die Nebenstraßen ausrichteten. Vor allem die Baugesellschaft „Neue Germania“ war sehr aktiv an der Bebauung beteiligt. Das erste Haus wurde 1886 fertiggestellt.

Mit der beginnenden Elektrifizierung wurde 1889 der Bau einer Straßenbahnlinie geplant, der 1893 ausgeführt wurde. 1894 wurde der Straßenbahnhof Pfotenhauerstraße in Betrieb genommen.

1890 begann an der Pfotenhauerstraße der Neubau eines Seniorenheimes. Das Bürgerheim wurde 1894 eingeweiht. Heute betreibt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) das Pflege- und Seniorenheim „Clara Zetkin“.

In Umsetzung des Reichsspielgesetzes entstand nach 1921 auf der Pfotenhauerstraße 79 ein Sportplatz, der heute dem Sportverein Dresdner SSV e.V. gehört.

1898 machte sich der Bildhauer, Maler und Grafiker Selmar Werner (1864–1953) selbständig und richtete sich auf der Pfotenhauerstraße ein Atelier bzw. eine Werkstatt ein. Aus dem Bericht eines Augenzeugen, der sich in Werners Werkstatt umgesehen hatte, ist zu lesen: „Ich trat in einen riesigen Raum mit hohen Fenstern, überall Gipsstandbilder, Gipsköpfe. In der Mitte der Modellierblock, in einer Ecke die Tongrube, beständig feucht gehalten und zugedeckt. Eisengestelle, ein Flaschenzug an der Decke und hier und da ein Bronzeguß oder ein Marmorbild.“

Nach dem Krieg und der teilweisen Zerstörung der Pfotenhauerstraße ging ihr Charakter als eine lebendige Wohn- und Geschäftsstraße verloren. Zehngeschossige Neubauten mit eintönigen Fassaden, die in jedem Neubaugebiet in der gleichen Form wiederfindbare Kaufhalle und ein Dienstleistungshaus als Stadtteilzentrum ersetzten die ursprünglich im Jugendstil erbauten Wohnhäuser und die gewachsenen Strukturen nicht. Von der Geschäftigkeit der ehemaligen Straße ist leider nicht mehr viel erhalten geblieben.

An der Pfotenhauerstraße gegenüber dem Altersheim befindet sich heute noch die ehemalige „Bedürfnisanstalt“ mit Zeitungsladen, die vom Stadtbaurat Hans Erlwein um 1906 entworfen wurde. Neben der auf dem Schlachthofgelände noch erhaltenen Bedürfnisanstalt gehört diese zu Erlweins einzigen erhaltenen öffentlichen Bauten dieser Art sowie der Vorkriegszeit überhaupt.

Adressen (Auswahl):

Nr. 22
Hier wohnte zwischen 1973 und 1990 der SED-Politiker Hans Modrow. Er setzte sich gemeinsam mit dem Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer für die friedliche Lösung des Konflikts der Wendezeit ein. Bis zu den ersten freien Wahlen war er der Ministerpräsident der DDR.

Nr. 26
Am 1. März 1894 eröffnete hier der Arzt Arthur Schloßmann eine Poliklinik für Säuglinge und Kleinkinder. Es war die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland.

Nr. 33
Hier befand sich das Restaurant „Elsasser Hof“, das mit seinem „Afrikanischen Zimmer“ um Kundschaft warb.

Nr. 35
Im Jahr 1895 verlegte Paul Vogt seine 1888 gegründete Drogerie, die sich bis dahin in der Hauptstraße in der Neustadt befunden hatte, in die Pfotenhauerstraße. Nach der Zerstörung der Drogerie am 13. Februar 1945 zog der Sohn des Gründers in ein Ladenlokal auf der Pfotenhauerstraße 69. Einige Jahre nach der Wende wurde die älteste Drogerie Dresdens geschlossen.

Nr. 36
Unter dieser Adresse befand sich die Zigarettenfabrik Arkadia.

Nr. 41
Die Dampfbäckerei und Konditorei von Max Schubert war unter dieser Adresse zu finden.

Nr. 46
Hier befand sich die Zigarettenfabrik Bendler.

Nr. 48
Max Helm’s Restaurant nannte sich die hier befindliche Gaststätte, die mit feinsten Speisen warb.

Nr. 57
Ein um 1895 erbautes Mietshaus im charakteristischen Historismusbau mit Klinker-Sandstein-Fassade. Besondere Akzente werden durch Balkone, leichte Betonung der Mittelachse sowie restaurierte und rekonstruierte Flur- und Treppenhausgestaltung gesetzt. Die Deckenmalerei und das Stuckdekor im Eingangsbereich sind noch original erhalten. Das Haus befindet sich auf der Liste der Kulturdenkmale der Stadt Dresden.

Nr. 57
Hier befand sich die Glasschleiferei und Glasbiegerei von Curt Ziegler.

Nr. 62
Hier befand sich die Gaststätte „Radeberger Stübel“. Der Inhaber war ein Herr G. Hänsel.

Nr. 63
Dieses um 1890 erbaute Eckgebäude in geschlossener Bauweise und mit Ladeneinbauten im Erdgeschoss ist das einzige Gebäude in Johannstadt mit noch erhaltener feiner Putzgliederung aus der Entstehungszeit. Die Fronten zur Pfotenhauer- und Hertelstraße sind in Putz-Sandstein-Fassaden ausgeführt. Besondere Akzente werden durch die Ecke mit turmartiger Erhöhung und Balkons gesetzt. Die Gestaltung des Flurs und Treppenhauses mit durchbrochenen Treppenhauskern besteht aus Stuckdekor und Malereien (Schablonierung).

Nr. 69
Hier befand sich die Fleischerei Otto Gründel mit Schank- und Speisewirtschaft.

Nr. 77
Unter dieser Adresse ist das Schank- und Speiserestaurant R.W. Franke aufgeführt.

Nr. 86/88
1971 wurde hier ein Seniorenheim gebaut, das dem benachbarten DRK gehörte. Als es den modernen Anforderungen nicht mehr entsprach und somit kein altersgerechtes Wohnen mehr ermöglichte, erwarb es 2007 die MK Immobilien GmbH. Das Projekt sah vor, den Neubaublock zu einem Mehrgenerationenhaus umzugestalten. Im März 2010 war das Haus fertig und erhielt den Namen Johanna. Es bietet 148 Ein- bis Zweiraumwohnungen von 25 bis 89 Quadratmetern. Bei Bedarf können die Bewohner Tagespflege, Hilfe beim Einkaufen und Fahrdienst in Anspruch nehmen.

Nr. 107
Die ehemalige 40. Hebestelle ist ein um 1900 erbauter, malerisch gestalteter Fachwerkbau mit Eckturm. In seiner Bauweise stellt er ein markantes Beispiel des Heimatbaustils um 1900 dar. Neben der 3. Hebestelle an der Weinbergstraße ist es das letzte seiner Art in Dresden.

Weitere denkmalgeschützte Häuser auf der Pfotenhauerstraße sind die Nr. 65, 67 bis 78, 80 bis 84, 110 und 111.