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Dürerplatz

Der Dürerplatz wurde 1898 angelegt. Benannt wurde er nach dem Maler Albrecht Dürer (geb. 21. Mai 1471 in Nürnberg, gest. 6. April 1528 ebenda).

Mit der Anlage des Dürerplatzes wollten die Stadtväter die damals neu errichteten Straßenzüge auflockern. Seine rechteckige Gestaltung wurde so geplant, dass er genau die Fläche eines Häuserkarrees einnimmt. Begrenzt wurde er von der Reißiger-, der Dürer-, der Schumann- und der Holbeinstraße. Mit fast zwei Hektar war er der größte Platz in der Johannstadt und sogar größer als der Altmarkt. Sein spezifisches Aussehen erhielt der Platz durch sternförmig angelegte Wege, die auf ein Rondell in der Mitte zuliefen. Ein Sandkasten und Ruheplätze, entsprechend gärtnerisch gestaltet, luden zum Verweilen ein. Viele Bäume und Sträucher gaben dem Platz ein parkähnliches Aussehen. Während des Krieges entstand ein kleiner Teich zur Löschzwecken.

Umrahmt wurde der Platz durch viergeschossige Wohnhäuser in geschlossener Bebauung. Da die Häuser zumeist auch Läden beherbergten, entwickelte sich der Dürerplatz zu einem beliebten Einkaufszentrum in der Johannstadt.

Im Haus Dürerplatz 17 befand sich ab 1928 „Radio Müller“. Dort wurden Radioempfänger verkauft und repariert. 1964 übernahm Walter Barthel die Firma und bezog neue Räume in Striesen auf der Wehlener Straße 18.

Auf dem Dürerplatz wohnte auch der Mediziner Dr. Alfred Cohn. Er schlug 1900 dem Volksbildungsverein Dresden vor, Vorträge über Erste Hilfe zu halten. Im Oktober 1900 begann unter seiner Leitung ein sechsmonatiger Ausbildungskurs in Erster Hilfe und Hauskrankenpflege, den 18 Lehrgangsteilnehmer absolvierten. Am 1. April 1901 konnte Dr. Cohn die Arbeiter-Sanitäts-Kolonne Dresden gründen, die aus Absolventen seines Kurses bestand und die ihre Hauptaufgabe in der unmittelbaren Hilfeleistung bei Unglücksfällen in Betrieben, auf Baustellen, bei Versammlungen, Demonstrationen, Festen und anderen Veranstaltungen der Arbeiterklasse sahen.

Beim Luftangriff am 13./14. Februar 1945 wurden sämtliche Gebäude rund um den Dürerplatz zerstört. Geblieben ist nur ein Trafoblockhaus, das sich heute auf dem Areal des Bertolt-Brecht-Gymnasiums befindet. Insgesamt starben 36 Anwohner während des Bombenangriffs.

Dürerplatz 3 – 6 Todesopfer
Dürerplatz 4 – 4 Todesopfer
Dürerplatz 5 – 2 Todesopfer
Dürerplatz 6 – 3 Todesopfer
Dürerplatz 7 – 3 Todesopfer
Dürerplatz 8 – 1 Todesopfer
Dürerplatz 11 – 2 Todesopfer
Dürerplatz 12 – 2 Todesopfer
Dürerplatz 13 – 1 Todesopfer
Dürerplatz 17 – 2 Todesopfer
Dürerplatz 18 – 1 Todesopfer
Dürerplatz 20 – 1 Todesopfer
Dürerplatz 21 – 7 Todesopfer
Dürerplatz 25 – 1 Todesopfer
Summe: 36 Todesopfer

Angaben lt.: Landeshauptstadt Dresden, Historikerkommission 2010, Projektteam „Statistisch-geografische Analyse“ der Wohnorte der durch die Luftangriffe im Februar 1945 getöteten Menschen

In der zweiten Hälfte des Jahres 1945 wurde mit der Enttrümmerung der zerstörten Flächen begonnen. Da der Dürerplatz zentral gelegen war, wurde beschlossen, hier eine große Trümmersortier- und Aufbereitungsanlage zu errichten. Sie wurde in kleinerer Form als geplant im Oktober 1946 in Betrieb genommen. Ebenfalls auf dem Dürerplatz baute man Baracken für die Bauleitung und Sozialräume für die Arbeiter. Von 1946 bis Juli 1949 wurde in Johannstadt eine Trümmerfläche von 60.000 m² beräumt.

1969 wurde der Dürerplatz überbaut. An dieser Stelle entstand das Bertolt-Brecht-Gymnasium mit seinen Außenanlagen. Die Reißigerstraße wurde in das Gelände mit einbezogen, das bis zur Lortzingstraße erweitert wurde.