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König Johann

König Johann

Dante's Göttliche Komödie

Dante's Göttliche Komödie


König Johann von Sachsen

Johann Nepomuk Maria Joseph Anton Xaver Vincenz Aloys Franz de Paula Stanislaus Bernhard Paul Felix Damasus wurde am 12. Dezember 1801 in Dresden geboren. Er war der drittgeborene Sohn des Prinzen Maximilian von Sachsen und Caroline Maria Theresia, Prinzessin von Parma.

Johann, der als Drittgeborener keine Chance sah, jemals als König zu regieren, durchlief eine Ausbildung in der Verwaltung und übernahm wichtige Aufgaben u. a. auch im Finanzkollegium. Nach Verabschiedung der Verfassung von 1831 war Prinz Johann geborenes Mitglied der I. Kammer des sächsischen Landtages und beteiligte sich aktiv an dessen Verhandlungen. Er entwickelte sich zu einer staatswissenschaftlichen Kapazität.

König Johanns Liebe galt dem Schloss Weesenstein. Von 1838 bis 1873 bewohnte er jeweils im Frühjahr und im Herbst für einige Wochen die für ihn hergerichteten Räume. Dort übersetzte er unter dem Pseudonym Philalethes (Freund der Wahrheit) die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri ins Deutsche. Prinz Johann gründete ein Dante-Komitee, in dem viele hervorragende Dresdner vertreten waren und mit denen der Prinz über seine Übersetzung debattierte. Dazu zählten der Kunsthistoriker Baron Carl Friedrich von Rumohr, der Diplomat und Übersetzer Graf Wolf Heinrich Ludwig von Baudissin, die Ärzte und Naturwissenschaftler Carl Gustav Carus, Adolf August Struve und Ludwig Reichenbach sowie die Dichter Ludwig Tieck, Friedrich Ludwig Breuer und Karl Förster.

Johanns Bruder, der König Friedrich August II., verunglückte tödlich am 9. August 1854 in Imst-Brennbichl in Nordtirol. Somit trat Prinz Johann seine Nachfolge an. Die Thronrede des Königs bei der Eröffnung des außerordentlichen Landtages am 5. Oktober 1854 kündigte wichtige gesetzliche Initiativen auf dem Sektor der Innenpolitik an. Er betonte, dass seine Regierung ihre Hauptaufgabe darin sehe, die Pflichten als Glied des Deutschen Bundes streng und gewissenhaft zu erfüllen.

In einer Zeit großer politischer Umwälzungen ist es König Johanns persönlicher Integrität zu verdanken, dass Sachsen seinen Einfluss auf die deutsche Geschichte bewahren konnte und als politische Landschaft erhalten blieb. Er überblickte dank seiner langjährigen Erfahrung alle Bereiche der Verwaltung und bildete sich stets ein eigenes Urteil. Ihm gegenüber gewannen allenfalls die Minister Beust und Falkenstein ein eigenes Gewicht. Während seiner Regierungszeit vollzog das Land den Übergang vom Agrar- zum hochentwickelten Industriestaat. Johann zu verdanken sind die Justizreform von 1855, die Erweiterung des Eisenbahnnetzes und die Einführung der Gewerbefreiheit.

Während seiner Regentschaft kam es zur Annahme des französischen Handelsvertrags (1862) und zur Anerkennung Italiens. Er setzte sich unter Einfluss seines Ministers Friedrich Ferdinand von Beust für die großdeutsche Lösung der Reichseinigung (unter Einschluss Österreichs) ein. Das Königreich Sachsen kämpfte 1866 im Deutschen Krieg an der Seite Österreichs. Nach der Niederlage von Königsgrätz trat Sachsen schließlich dem Norddeutschen Bund und 1871 dem deutschen Kaiserreich unter der Führung des Königreiches Preußen bei.

König Johann war ein großer Förderer des Schul- und Hochschulwesens. So unterstützte er die Sächsische Akademie der Wissenschaften und die Gründung des Königlich Sächsischen Vereins zur Erforschung und Erhaltung vaterländischer Altertümer sowie der Zeitschrift Neues Archiv für Sächsische Geschichte.

König Johann heiratete am 21. November 1822 Amalie Auguste von Bayern. Aus dieser Ehe gingen neun Kinder hervor.

Die Gesundheit König Johanns verschlechterte sich im Sommer 1873. Bereits am 29. Juli bemühten sich die Ärzte um den Monarchen und gaben ein ärztliches Bulletin zum Gesundheitszustand des Königs heraus.

Der beim Volk sehr beliebte Herrscher starb am 29. Oktober 1873 im Schloss Pillnitz an altersbedingten Kreislaufbeschwerden. Mit dem Dampfer „Saxonia“ wurde der verschiedene König Johann am 30. Oktober 1873 bei Mondschein, Fackelbeleuchtung und dem Klang aller Dresdner Kirchenglocken von Pillnitz nach der katholischen Hofkirche überführt. Entlang des Elbufers von Pillnitz bis zur Altstadt standen viele Dresdner Bewohner in stiller Trauer Spalier. Am 31. Oktober wurde König Johann in der Hofkirche aufgebahrt. Mit einem Requiem fanden die Trauerfeierlichkeiten ihren Abschluss. In der Gruft des Gotteshauses ruht er in einem prunkvollen Bronzesarkophag.